Nach dem Studiumabschluss eine Mitarbeiterinnenstelle an der Uni: Von jetzt auf nachher sitze ich nicht mehr in der vorletzten Reihe, sondern ganz vorne. Ich bin nicht mehr Studentin, sondern Dozentin. Lerne nicht, sondern lehre. Und möchte viel lieber erst mal lernen zu lehren.
Die beschriebene Situation liegt bei mir 15 Jahre zurück. Seither hat sich zum Glück viel getan im Bereich der hochschuldidaktischen Ausbildung.
Das Gros der hochschuldidaktischen Fortbildungen wird über zentrale Servicestellen an den Universitäten oder aber über hochschuldidaktische Zentren in den Bundesländern angeboten. Fast überall gibt es dabei auch das Angebot, durch den Besuch eines strukturierten Fortbildungsangebots ein hochschuldidaktisches Zertifikat zu erwerben. Informationen zu Fortbildungen und Veranstaltungen finden sich ferner auch bei der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd).
Für alle, denen der Sprung ins kalte Wasser noch bevorsteht, oder all diejenigen, die sich weiterqualifizieren möchten, könnte auch der viertägige Workshop „Das Lehren Lernen“ interessant sein, den Verena Brenner, Thomas Nielebock und ich alle zwei Jahre durchführen. Uns geht es darum, Lust auf und Mut zur Entwicklung innovativer Lehrformate zu vermitteln.
Der Workshop orientiert sich am Konzept des constructive alignment von John Biggs, wonach Lehr-Lernziele, Lerntätigkeiten und Prüfungen eng aufeinander abgestimmt werden sollen, um Studierende zum Tiefenlernen und Kompetenzerwerb anzuregen. Daher beschäftigen wir uns einen Tag mit Lehr-Lernzielen und Inhalten, einen Tag mit Methoden sowie einen Tag mit Prüfungen, Feedback und Evaluation. Das Thema Atmosphäre erscheint uns so wichtig, dass es als Querschnittsthema immer wieder eine Rolle spielt. Und schließlich ist der Workshop praxis- und handlungsorientiert ausgerichtet: es gibt zahlreiche Übungen und Rollenspiele, viel Zeit für Erfahrungsaustausch und alle Teilnehmer*innen entwickeln über den Workshop hinweg ein eigenes Seminarkonzept, zu dem sie sich wechselseitig Feedback geben.
Der Workshop ist speziell an Friedens- und Konfliktforscher*innen gerichtet. Das hat zwei Gründe: Zum einen ermöglichen ähnliche fachliche Hintergründe, strukturelle Rahmenbedingungen und Lehr- und Lernkulturen einen besonders intensiven Austausch. Zum anderen wird in dem Workshop die Frage diskutiert, was das Besondere des Lehrgegenstands ausmacht und ob hieraus besondere Anforderungen an die Lehre abzuleiten sind.
Der nächste Workshop findet vom 27.2.-2.3.2017 im Haus auf der Alb in Bad Urach statt. Der Teilnahmebeitrag beträgt 40 Euro (für Teilnahme, Unterbringung und Verpflegung). Thomas Nielebock (thomas.nielebock@uni-tuebingen.de) nimmt ab sofort verbindliche Anmeldungen entgegen. Es stehen 16 Plätze zur Verfügung.
Tatjana Reiber
OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
lehrgut (20. November 2016). Lust, das Lehren zu lernen? Lehrgut. Abgerufen am 15. September 2026 von https://doi.org/10.58079/qtbt