„frieden.elementar“ – eine Materialsammlung für Lehrkräfte und Multiplikator*innen

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(C) Annette Jones from Pixabay

Christina Pauls stellt in ihrem Beitrag die umfangreiche Materialsammlung „frieden.elementar“ vor, die sie mit anderen gemeinsam für (schulische) Bildungsarbeit entwickelt hat.

Die Relevanz von Friedensbildung an Schulen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, denn längst sind Auswirkungen und Betroffenheiten von Kriegen und globalen Krisen auch im Klassenzimmer spürbar. Mit dem Erscheinen des Materialschubers „frieden.elementar“ steht (nicht nur) bayerischen Schulen eine umfassende Sammlung zur Verfügung, um das Thema Frieden systematisch und methodisch fundiert zu behandeln. Die Inhalte richten sich an Schüler*innen aller Schularten ab Klassenstufe 9, eignen sich aber auch für die Hochschullehre und für die außerschulische Bildungsarbeit.

Der Materialschuber beinhaltet zwölf Module, die zentrale Facetten von Frieden beleuchten. Ziel ist es, den Friedensbegriff aus individueller, gesellschaftlicher und internationaler Perspektive erfahrbar zu machen und zur kritischen Reflexion anzuregen. Die Module verbinden auf methodisch vielfältige Weise theoretische Grundlagen mit lebensweltlichen Bezügen – zum Beispiel mittels Rollenspielen, Assoziationsübungen oder der Arbeit mit einem Zeitstrahl, dem Welt(verteilungs)spiel und methodischen Impulsen aus Betzavta.

In den Materialien werden jeweils ausführlich die spezifischen Quellen gewürdigt, aus denen diese Methoden entnommen oder hergeleitet wurden. Zu allen Modulen gibt es außerdem Vorschläge für Varianten und Vertiefungen, sowie einen umfangreichen Online-Pool mit Hintergrundinformationen und Druckvorlagen zu den einzelnen Methoden und Inhalten.

Um kurz die einzelnen Module vorzustellen und ihren jeweiligen methodischen Zugang zusammenfassen:

1 – Was ist Frieden?

Das Modul ermöglicht einen niedrigschwelligen Einstieg in die Frage, was Frieden bedeutet. Mithilfe der Assoziationsmethode „Friedens-ABC“ sammeln die Teilnehmenden erste Begriffe, Bilder und Vorstellungen zum Thema Frieden. So werden vorhandenes Wissen, unterschiedliche Perspektiven und die Vielfalt friedensverwandter Konzepte sichtbar.

  • Methode: „Friedens-ABC“ als Assoziationsmethode
  • Thematischer Schwerpunkt: Erste Annäherung an den Friedensbegriff; Sichtbarmachung vorhandener Vorstellungen und Assoziationen; Einstieg in die Reflexion der Vielschichtigkeit von Frieden.

2 – Frieden & Konflikt

Das Modul regt zur Auseinandersetzung mit eigenen Erfahrungen und Konfliktverständnissen an. In Zweiergesprächen beantworten die Teilnehmenden Reflexionsfragen über das Erleben von Konflikt, von Frieden, sowie über das Verhältnis (den konzeptionellen Zusammenhang) von Frieden und Konflikt.

  • Methode: Reflexionsfragen in Zweiergruppen
  • Thematischer Schwerpunkt: Reflexion eigener Erfahrungen mit Frieden und Konflikt; Reflexion der Zusammenhänge zwischen Frieden und Konflikt; Förderung dialogischer Perspektivwechsel.

3 – Frieden & Zugehörigkeit

Dieses Modul ermöglicht einen Einstieg in die Reflexion von Identität und Zugehörigkeit. Teilnehmende reflektieren ihre Gruppenzugehörigkeiten anhand des sogenannten Identitätsmoleküls und gelangen in einen Austausch über die Bedeutung von Zugehörigkeit als menschliches Grundbedürfnis für das gesellschaftliche Zusammenleben.

  • Methode: Identitätsmolekül
  • Thematischer Schwerpunkt: Einstieg in die Reflexion von Identität und Gruppenzugehörigkeit; Sensibilisierung für Zusammenhänge zwischen Zugehörigkeit, Anerkennung und Ausgrenzung; Verbindung individueller mit gesellschaftlichen Themen.

4 – Frieden & Macht

Das Modul stellt eine mögliche Vertiefung des Themas 3 (Frieden & Zugehörigkeit) dar, kann aber auch unabhängig davon eingesetzt werden. Die Methode „Schritt nach vorn“ macht erfahr- und sichtbar, dass Lebens- und Teilhabechancen gesellschaftlich ungleich verteilt sind. Im Anschluss folgt eine Reflexion über Macht, Privilegien und strukturelle Ungleichheiten (Gewalt) als wesentliche Fragen über und für Frieden.

  • Methode: Schritt nach vorn
  • Thematischer Schwerpunkt: strukturelle Gewalt; Reflexion von Macht und Privilegien; Frieden als Frage gerechter Teilhabe.

5 – Frieden & Sicherheit

Bei dieser Methode geht es um unterschiedliche Sicherheitsverständnisse und subjektives Sicherheitsempfinden, sowie um Zusammenhänge von Frieden und Sicherheit und die Umsetzung von Sicherheit auf internationaler, regionaler und nationaler Ebene.

  • Methode: Positionierungsübung und Diskussionsinputs
  • Thematischer Schwerpunkt: Reflexion subjektiver und politischer Sicherheitsverständnisse; Sensibilisierung für unterschiedliche Ebenen von Sicherheitspolitik.

6 – Frieden & Gerechtigkeit

Das Modul bietet eine erfahrungsbasierte Annäherung an unterschiedliche Gerechtigkeitsverständnisse. Über eine Methode aus dem Betzavta-Ansatz erleben die Teilnehmenden einen Verteilungskonflikt und reflektieren im Anschluss, was gerechte (demokratische) Entscheidungsprozesse ausmacht.

  • Methode: Rollenspiel
  • Thematischer Schwerpunkt: Auseinandersetzung mit Gerechtigkeit; faire Aushandlung von Interessen, Bedürfnissen und Verfahren in Konfliktsituationen.

7 – Frieden & Regeln

Über ein Rollenspiel wird die Bedeutung von Regeln für gesellschaftliches Zusammenleben erfahrbar gemacht. Im Anschluss bietet sich eine Diskussion über regelbasierte Friedensverständnisse an.

  • Methode: Rollenspiel
  • Thematischer Schwerpunkt: Reflexion regelbasierter Friedensverständnisse; Auseinandersetzung mit Ordnung und Beteiligung.

8 – Frieden & Religion

Das Modul eröffnet einen historischen Einstieg zu möglichen Zusammenhängen von Frieden und Religion. Mithilfe einer Zeitstrahlmethode ordnen die Teilnehmenden ausgewählte Ereignisse oder Entwicklungen ein und reflektieren, wie Religion mit Frieden, aber auch mit Krieg, verbunden sein kann. Die Methode eignet sich zudem für Vertiefungen durch recherchebasierte Arbeitsaufträge.

  • Methode: Zeitstrahlmethode
  • Thematischer Schwerpunkt: historische Einordnung von Ereignissen zu Frieden und Religion; Reflexion von Religion in Frieden und Konflikt.

9 – Frieden & Kunst

Dieses über mindestens zwei Doppelstunden angelegte Modul bietet einen aktionsbasierten Zugang zur Rolle von Kunst als Protestform und Friedensausdruck. Teilnehmende entwickeln selbst Stencils (Schablonengraffitis) zum Thema Frieden. Sie reflektieren, welche Bedeutung Kunst in Friedensbewegungen einnimmt und wie sie politische Botschaften sichtbar machen kann.

  • Methode: Entwicklung eigener Stencils
  • Thematischer Schwerpunkt: kreative Übersetzung eigener Friedensvorstellungen; Reflexion der Rolle von Kunst in sozialen Bewegungen.

10 – Frieden & Krieg

In diesem Modul wird die aus dem Globalen Lernen bekannte Methode „Das Weltspiel“ um die Kategorien Frieden und Krieg ergänzt. Im Weltspiel werden statistische Kennzahlen wie Weltbevölkerung und Einkommen abgebildet und auf einer Weltspielplane oder Weltkarte mithilfe von Symbolen verteilt. So werden Zahlen und globale Verteilungen greifbar und es können ungerechte Verhältnisse und globale Zusammenhänge besprochen werden.

  • Methode: Aktionsspiel („Das Weltspiel“), erweitert um Frieden und Krieg
  • Thematischer Schwerpunkt: Auseinandersetzung mit globalen Ungleichheiten und Konfliktlagen; Reflexion über Messbarkeit von Frieden anhand des Global Peace Index.

11 – Frieden & Natur

Das Modul lädt zur selbstkritische Reflexion von Mensch-Natur-Verhältnissen ein. In Gruppenarbeit beschäftigen sich die Teilnehmenden jeweils mit einem konkreten Beispiel, das ein konkretes Mensch-Natur-Verhältnis beschreibt: Beispiele umfassen das Thema Artensterben sowie Rechte der Natur in verschiedenen Kontexten wie Bayern, Kolumbien und Ecuador. Teilnehmende ordnen ein, ob dieses Verhältnis tendenziell friedlich oder unfriedlich strukturiert ist. Im Anschluss erfolgt eine Selbstreflexion über eigene alltägliche Berührungspunkte mit Natur und die darin zu Tage tretenden Beziehungen.

  • Methode: Gruppenarbeit und Arbeitsblätter
  • Thematischer Schwerpunkt: Reflexion ökologischer Dimensionen von Frieden; Auseinandersetzung mit Mensch-Natur-Beziehungen.

12 – Frieden & Nobelpreis

Das Modul befasst sich mit dem Friedensnobelpreis und ausgewählten Preisträger*innen. Teilnehmende lernen verschiedene historische Persönlichkeiten, Kontexte und Organisationen kennen und reflektieren, die mit der Preisverleihung verbundenen Vorstellungen von Frieden. Dieser Zugang kann und sollte anhand der Reflexion aktueller Entwicklungen auch kritisch vertieft werden.

  • Methode: biografisch-historische Auseinandersetzung mit Friedensnobelpreisträger*innen
  • Thematischer Schwerpunkt: kritische Auseinandersetzung mit Auszeichnungspolitik und Öffentlichkeit; Kennenlernen und Reflexion unterschiedlicher friedensbezogener Akteur*innen und ihrer Aktivitäten.

Ich finde, es ist eine facettenreiche und inspirierende Mischung an Inhalten und Zugängen geworden, auch Dank der Erfahrungen und der Mitwirkung von Tabea Schneider (Landeszentrale für politische Bildung) und Theresa Werner (Friedensbüro Augsburg). Besonders schön empfand ich den gemeinsamen Entwicklungsprozess, der sich über mehrere Jahre erstreckte. Die ersten gemeinsamen Grundlagen für die Materialsammlung wurde bereits 2021 im Zusammenhang der Lehrer*innenfortbildung „Frieden – was ist das überhaupt?“ gelegt. Ab 2023 arbeiteten wir dann kollaborativ an den konkreten Methoden, die wir im Februar 2024 im Rahmen der Fortbildung „Können wir Frieden lernen?“ für ein breites Publikum anbieten konnten.

Der Materialschuber steht allen Interessierten zur Verfügung und kann gegen eine Schutzgebühr über folgenden Link erworben werden: www.blz.bayern.de/materialschuber-friedenelementar (6 € mit Wohnsitz innerhalb Bayerns, 18 € mit Wohnsitz außerhalb Bayerns).

Christina Pauls, Geschäftsführerin des Transferzentrums Frieden Augsburg


OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
lehrgut (6. Juli 2026). „frieden.elementar“ – eine Materialsammlung für Lehrkräfte und Multiplikator*innen. Lehrgut. Abgerufen am 15. September 2026 von https://doi.org/10.58079/16iuo


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